Ein Londoner Frauengefängnis und ihre "liebreizenden" Insassinnen. Rauer Umgangston, Intrigen sowie Gefängniswärter als Vergewaltiger. Das versprach ein spannender Abend zu werden, mit all den jungen, "leichten" Mädchen und Jungen der Musicalschule.
Zur Prüfung.
Klassenarbeit. So hat die Regiesseurin gestern auch über Ihr Stück Bad Girls im Theaterzelt Schloss geschwärmt, wie ich meine Kritik anbrachte. "Das ist wie ein guter Aufsatz. Startet langsam und kommt dann richtig in Fahrt, bis zum Höhepunkt."
Gleich zu Beginn viel die Stimme von Hauptdarstellerin Hanna Lindauer auf. Dann merkte man beim Auftritt der später in der Geschichte innerhalb des Knastes verlegten Verbrecherin Yvonne Atkins, stark gespielt von Verena Thumser, wie die gesamte Gruppe an Kraft und die Geschichte an Fahrt gewann. Man hatte das Gefühl, wenn jetzt erst die Bühne von allen so richtig betreten worden wäre.
Vielleicht lag es an der deutschen Sprache, dass nicht jede in Ihrer Rolle als Gefangene überzeugen konnte, an der ersten Übersetzung aus dem Englischen sicher nicht. Die machten die Schüler des Musicals "Bad Girls" nämlich beindruckender Weise selbst, wenn auch mit Hilfe der Münchnerin Ana Haffter, die weltweit erfolgreich inszeniert.
Die Choreographie, zeigte bereits bei einer Putzszene im ersten Akt eine herrliche Ironie, wie beschwingt zwei weibliche Gefängnissgenossinen einen Boden schrubben können. Ob Zuschauerinnen jetzt bei sich so leichtfüssig Sauber machen, kann ich nicht sagen. Auch wenn das Janina Moser und Melanie Renz jetzt können, denke ich nicht, dass sie das anstatt großer Engagements machen müssten.
Es ging mit einer furiosen Revuenummer mitsamt einem riesigen Ballett, alle in Polizistendress, dann richtig knallend in den zweiten Akt. Das erinnerte schon sehr an grosse Musicals wie The Producers oder A Chorus Line.
Man merkte den Darstellerinnen in der zweiten Hälfte an, wie Sie mehr und mehr in die Rollen der Verbrecherbräute schlüpften. Ob es an der Ansprache von Schulleiter Toralf Vetterick Backstage in der Pause lag, ist nicht dokumentiert.
Sehr schön auch eine Slow Motion eines ausartenden Aufstands, die Lieblingsszene des Ensembles. Ja Zeitlupe, eigentlich eine einfache Sache, meinte Ben Schobel, aber die Truppe hat uns das sehr intensiv spüren lassen.
Die Solonummern waren vom Ablauf schön durchdacht und man hatte ab und an schon mit den Tränen zu kämpfen. Während man an anderer Stelle perfekt eingefangen das beklemmende Gefühl empfand, dass ein eingesperrter Mensch öfters haben muss.
Janina Moser hatte in Ihrem Solo gezeigt, wie schwierig es sein kann, als Mutter inhaftiert zu sein. Das ganze Stimmgewaltig und fest in Ihrer Verkörperung der Julie Saunders. Dabei nur am Telefon an einem Fleck stehend, aber die ganze Bühne mit Präsenz auszufüllen, heisst schon was.
In der Rolle der Gefängnischefin Helen Steward, zeigte uns Eva Kuperion eine grosse Breite Ihrer Schauspielkunst. Corinna Kuttner spielte Ihre Rolle als kleines aber brutales Ding Denny Blood mit einer solchen Intensität, man könnte meinen, Sie habe sich nur selbst gezeigt.
Einer sei noch besonders erwähnt, der die ganzen Mädels bändigen hat wollen, Florian Claus. Er spielte den Bösewicht, was zuerst nicht ganz einfach war, wie er sagte. Zumindest ging er auch in Flammen auf, zum Schluss. Flo war als Gastdarsteller dabei, er kommt von der Bayerische Theaterakademie August Everding. Männer sind im Musicalgenre nunmal rar. Das passende Interview dazu gibt es noch per Video von mir.
Wie böse die Mädels wirklich sind oder wieviel gutes sie von Ana Haffter und der AMA lernten, das sehen Sie sich am besten bei einer nächsten Show der Abraxasschüler an. Man kann nur hoffen, dass das Team um die Starregiesseurin und Kosmopolitin erhalten bleibt.
Die Abschlussklasse der Abraxas Musical Akademie in München hat sich dieses Stück selbst ausgesucht.
Das ganze wurde dann im Rahmen des Absolventenabend (click für alle Infos zum Stück) sowie die Jahresabschlussvorstellung des ersten und zweiten Studienganges am 25. und 26. Juli 2009 im Theaterzelt "Das Schloss" in München präsentiert.
Die Regie der deutschen Uraufführung des Musicals BAD GIRLS von Kath Gotts übernahm Ana Haffter, die auch schon mit Loriot tourte. Als Regieassistenz bekam Sie dabei Unterstützung der ehemaligen Schülerin Julia Neviandt. Musikalische Leitung Jeff Frohner und für die Choreographie zeichnete sich Ben Schobel aus.
Fazit: Das rockt doch!
PS: Und auch ich muss mit meinem Text zur Korrektur, beim neuen Online-Wörterbuch PONS antreten, siehe Blogeintrag weiter unten. (Wohl auch bei Frau Haffter)
Das schockt mich.
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